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Informator 4/08

EHRUNGEN

 

Helmut Böttcher

 

JOSEF ŠKRÁBEK ERHÄLT GOLDENES HERZ FÜR EUROPA

 

 

Die 16. Wanderung von Klenčí nach Furth im Wald, von Jürgen Kögler erneut perfekt organisiert und geführt, hatte zwei Höhepunkte: Das wunderbare Wanderwetter und die Verleihung des Preises ?Goldenes Herz für Europa? an unser Mitglied, den Schriftsteller und Humanisten Josef Škrábek. Viele tschechische und deutsche Teilnehmer an der Wanderung kamen nach der abschließenden Messe ins Kolpinghaus in Furth, so dass die feierliche Überreichung des Preises auch die nötige Resonanz fand. Nach einleitenden Worten des ?Gastgebers? Jürgen Kögler würdigte Helmut Böttcher die Verdienste Škrábeks vor allem unter Hinweis auf sein inzwischen berühmtes Buch ?Die gestrige Angst? und auf die Tatsache, dass Škrábek es versteht, das schwierige deutsch-tschechische Verhältnis aus der Sicht der Betroffenen beider Seiten darzustellen, ohne erneut in die Schwarzweißmalerei vieler anderer Autoren zu verfallen.

Alois Hartl verlas anschließend seine in dieser Ausgabe des INFORMATOR nachzulesende Laudatio, die in ihrer dem Werk Škrábeks angemessenen Form für sich selbst spricht. Josef Škrábek bedankte sich nach der Überreichung des ?Goldenen Herzens? mit philosophischen Betrachtungen, die trotz ihres bedeutungsschweren Inhalts ein aufmerksames Publikum fanden (s. S. 3 dieses Heftes). Alle Referenten hielten ihre Vorträge in beiden Sprachen.

Im Auditorium fehlte ein Vertreter der Stadtverwaltung, dafür kamen andere Besucher zum Teil von weit her, genannt sei insbesondere Frau Kristina Jurosz, die Vorsitzende der mit unserem Kreis befreundeten Deutsch-Tschechischen Gesellschaft in Bayreuth. Die Vertreter der Deutschen Botschaft wären, wie sie mir mitteilten, gern gekommen, mussten aus Zeitgründen aber leider absagen.

An dieser Stelle und vor allem angesichts der Preisträger dieses Jahres ? Lenka Reinerová, Pfarrer Johannes Johne und nun Josef Škrábek ? scheint es mir geboten, dass sich der Freundeskreis erneut bei Herrn Dr. Kotrba, dem ?Erfinder? und Sponsor des Goldenen Herzens, bedankt; der Preis würdigt nicht nur die geehrten Persönlichkeiten, er sorgt auch dafür, dass wir und damit unsere Ziele mehr als bisher in den Blick der Öffentlichkeit geraten. 

 

 

Alois Hartl

 

LAUDATIO FÜR JOSEF ŠKR?BEK

 

Wir freuen uns, heute den Ehrenpreis ?Goldenes Herz für Europa? Herrn Ing. Josef Škrábek aus Prag verleihen zu dürfen. Mit dieser Auszeichnung würdigt der Freundeskreis deutsch ? tschechischer Verständigung die Arbeit von Persönlichkeiten, die sich in öffentlich wirksamer Weise für Völkerverständigung, namentlich in einem deutsch ? tschechischen Zusammenhang, eingesetzt haben.

Erst relativ spät wurden interessierte Leser in Tschechien und in Deutschland auf die publizistischen Arbeiten Josef Škrábeks aufmerksam. Die gesellschaftspolitische Situation in der sozialistischen Tschechoslowakei hatte daran ihren maßgeblichen Anteil. Dem Studenten der Politik- und Wirtschaftswissenschaften, 1928 in Waltsch (Valeč) als Sohn einer deutschen Mutter und eines tschechischen Vaters geboren, wurde Anfang der 50er Jahre aus politischen Gründen der Abschluss des Studiums verweigert, die Verhängung einer siebenjährigen Gefängnisstrafe wegen Mitgliedschaft in einer christlich ? demokratischen Partei beendete im Jahre 1958 seine berufliche Laufbahn als Betriebswirt. Publizistisch durfte er nach erfolgter Amnestierung nur kurz während des Prager Frühlings in Erscheinung treten ? als Redakteur einer Zeitschrift und Autor politisch unverfänglicher Erzählungen ? bevor die Jahre der sog. Normalisierung ihn wie viele andere zur Fortsetzung der inneren Emigration zwangen.

Die Möglichkeit, sich an ein breiteres Publikum zu wenden, eröffnete sich für Josef Škrábek erst mit der politischen Wende im Jahre 1989. Zunächst als Verfasser von Zeitungsartikeln tätig, konnte er schon bald Buchverlage von der Qualität seiner Manuskripte überzeugen. Mit ?Pohladit slovem? (2005), ?Slovem proti srsti? (2008) und ?Včerejší strach? (2002) / ?Die gestrige Angst? (2006) liegen inzwischen drei größere Buchveröffentlichungen vor, von denen vor allem die letztgenannte eine beachtliche Öffentlichkeitswirkung erzielt hat.

Škrábek  selbst nennt ?Die gestrige Angst? einen autobiographischen Essay mit dem Untertitel ?Deutsche und Tschechen ? schwierige Nachbarschaft in der Mitte Europas?. Die tschechische Tageszeitung MF dnes beschreibt das Werk als ?Collage über das tatsächliche Wesen von Ereignissen?, Petr Pithart, Vorsitzender des tschechischen Senats spricht von ?einem Buch außerordentlicher Glaubwürdigkeit und Wirkung? und Václav Havel empfiehlt die Lektüre jedem, ?der gründlicher und ohne Vorurteile  Aufschluss über unsere gemeinsame Geschichte finden möchte?. Auch die deutsche Presse schenkt der Publikation vielfältige Beachtung. In der FAZ ist von Innigkeit die Rede, mit der Škrábek sich wie niemand zuvor die eigene und die böhmische Geschichte vom Leib geschrieben habe, Dr. Goldhammer in der ACADEMIA würdigt das Buch als ?Beitrag zur Versöhnung von Tschechen und Deutschen? und Ota Filip, Rezensent der Passauer Neunen Presse, lobt den Text schlichtweg als ?großartiges Buch?.

?Die Gestrige Angst? ist in Deutschland inzwischen in einer zweiten Auflage erschienen, in Tschechien sogar schon in der dritten. Für ein Buch, das die deutsch ? tschechische Vergangenheit thematisiert, ein schwieriges und noch dazu polarisierendes Thema, ist das ein beachtenswerter Erfolg. Noch beachtenswerter erscheint, dass Škrábeks Reflexionen durchaus in gegensätzlich ausgerichteten Kreisen, deutschen wie tschechischen, konservativen wie liberalen, politischen wie religiösen, Zuspruch finden.

Škrabek selbst gibt möglicherweise an einer Stelle des Buches die Erklärung dafür: ?Wahrheit ist gut und unerlässlich, aber zu oft genügt sie nicht.? Für die Geschichtsforschung ist die Auffindung objektiver Wahrheiten ein Anspruch, der heutzutage wie selbstverständlich gestellt wird. Ausgehend vom 18. Jahrhundert forderte der Rationalismus die Objektivierung der Welt und damit auch die Objektivierung der Geschichtsschreibung. Dabei war über die Jahrhunderte hinweg die Auseinadersetzung mit Geschichte ganz anderen Begriffen zugeordnet worden: Aristoteles nennt die Geschichtsschreibung ?portraitierend? und rückt sie somit in die Nähe der Literatur. Und auch der französische Mathematiker und Philosoph Jean Baptiste d?Alembert, als Aufklärer mit den Begriffen ?Vernunft? und ?Objektivität? immerhin bestens vertraut, unterstellt die Geschichtsschreibung keineswegs rationalen Kategorien als vielmehr dem Begriff ?la mémoire? (die Erinnerung). Als solche ist Geschichte eine wohl sortierte und kommentierte Zusammenstellung von Reminiszenzen, in ihrer Darstellung nie vollständig und objektiv, dafür farbig und oft zu Herzen gehend und genau deswegen wahr.

An diesen vermeintlich überholten Ansatz scheint Josef Škrábek anzuknüpfen. Dabei lehnt er die exakte Recherche als Grundlage für geschichtliche Betrachtungen keineswegs ab, ganz im Gegenteil. Historischem Quellenstudium widmet er sich nahezu akribisch. Nur begnügt er sich nicht mit den so ans Tageslicht geförderten objektiven Wahrheiten. Vielleicht weil er ahnt, dass Objektivierung von Geschichte letztlich ein unmögliches Unterfangen ist und dessen Ergebnis angreifbar bleibt. ?Es gibt so gut wie kein Argument ohne Gegenargument?, schreibt er und meint wohl, dass jedes noch so sachlich erarbeitete Geschichtsbild zum Widerspruch herausfordert, Zweifler auf den Plan ruft. Was bleibt, ist die Fortsetzung der Wahrheitssuche in der Subjektivität. Škrábek ist überzeugt davon, dass die Summe des Subjektiven, das heißt das Wissen um Erlebnisse, Erinnerungen, persönliche Überzeugungen und die sich daraus ergebenden Schicksale (auf den verschiedenen Seiten) einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Geschichtsverständnis ausmacht. Und er überzeugt den Leser von der Konsensfähigkeit eines solchen kaleidoskopartigen, gleichermaßen sachlichen wie persönlichen Geschichtsbildes.

 ?Und auf jeder Seite gibt es wesentliche Punkte [...], von denen die andere nichts weiß oder nichts wissen will,? schreibt Škrábek an anderer Stelle. Es ist sein Verdienst, dass dieses Fehlen an Wissen, an Einsichten in Überzeugungen, Emotionen und Ängste heute auf beiden Seiten ein Stück weit gemindert erscheint.

Für sein publizistisches Werk, insbesondere den autobiographischen Essay ?Die gestrige Angst? verleiht deshalb der Freundeskreis deutsch ? tschechischer Verständigung Herrn Ing. Josef Škrábek den Ehrenpreis ?Goldenes Herz für Europa?. Der Freundeskreis würdigt damit Herrn Škrábeks hervorragende Verdienste um die deutsch ? tschechische Verständigung.

 

 

Josef Škrábek

 

ICH MÖCHTE*

 

 

Ich möchte, ? wie oft fällt uns ein, was alles wir möchten ? jedoch gleichzeitig lehnen wir vieles andere ab ? was wir tun sollten.

Wann auch immer wir über die ?alte Zeiten? ? die Vergangenheit ? nachdenken, stellen wir uns gewöhnlich vor, dass die damalige Moral wohl mehrheitlich Ausdruck des Glaubens und des Verantwortungsbewusstseins gewesen sei, welche den Augenblick der Gegenwart, ja sogar unser Leben auf dieser Erde überschreiten. Aber wieso haben dann gegen-einander so viele Christen unter der Leitung christlicher Herrscher gekämpft?

Damit kommen wir vielleicht zu den unbeachteten Wurzeln dessen, warum es trotz des christlichen Glaubens der früheren Herrscher doch zu Kriegen zwischen  Christen kam.

Das Übersehen der Wurzeln ist menschlich begreifbar ? denn die Wurzeln sind ja meistens nicht zu sehen. Aber hin und wieder stolpern wir auch auf glattem Asphalt, welcher von unsichtbaren Wurzeln gehoben wurde.

Vielleicht kommt es auch daher, dass die Völker ? und eine Vielzahl von Einzelpersonen ? keine Seele fühlen und darum auch keine moralische Verantwortung vor der Ewigkeit. Wenn dem so ist, fällt umso größere Verantwortung auf die Personen, welche die Völker führen. Aber im Gegensatz zum menschlichen Gewissen berufen sich bei ihren Entscheidungen die heutigen Führer ? ähnlich wie die früheren christlichen Herrscher ? auf die Verantwortung für die Sicherheit, die Macht und den Reichtum ihrer Völker. Es ist menschlich begreiflich, dass eine Rolle auch die Rücksicht auf die eigene Karriere spielt.

Als unvollkommene Menschen sollten wir uns der notwendigen Unvollkommenheit jeglichen politischen Systems, einschließlich des demokratischen, bewusst sein. Und auch  starken Persönlichkeiten sollten wir ein gewisses Maß an menschlichen Schwächen  zubilligen.

Die Politik ? welche in der Vergangenheit so viel Übles getan hat und uns in der Gegenwart oft so unangenehm überrascht ? hat zwei Kehrseiten:

1.      dass die Politiker andauernd keifen, Ränke schmieden und sich zanken,

     2.  dass sich die Streitenden auf einem Kompromiss einigen. 

Wir Menschen unserer Zeit sind verwöhnt von stimmiger Zusammenarbeit in einem Team,  harmonischem Klang und Einklang einer Philharmonie ? aber die Politik schockiert uns mit ihrer Disharmonie. Warum sagt uns ab und zu niemand, dass demokratische Politik streitbar sein muss?

Die Demokratie ist ein System, in welchem jeder seine Vorstellung vom Zusammenleben äußern kann und sich um die Beteiligung an der Macht, deren Ausgestaltung und Verwirklichung bewerben kann. Die Demokratie sollte aber etwas mehr sein als nur ein Wettkampf um Macht.

Obwohl ? oder vielleicht gerade weil ? ich der Politik so große Macht und Verantwortung zuerkenne, ist es zwar nötig, dass wir  von den Politikern verlangen die Bedingungen für die Versöhnung unserer Völker vorzubereiten, aber etwas so Wichtiges wie die Verwirklichung deutsch-tschechischer Verständigung darf nicht  den Politikern allein überlassen bleiben.

Ja, jemand ? auch sehr hoch stehender ? kann uns vorwerfen, dass wir von niemandem mit seiner Vertretung beauftragt wurden und dass wir uns, nur als gewöhnliche Bürger um Verständigung und Freundschaft unter denen bemühen, deren Väter und Großväter sich einst so verletzten.

Aber, wir haben das volle Recht,  die moralische Verpflichtung zu erfüllen, welche wir als Bürger empfinden, und die Verwirklichung des Guten zu unterstützen ? was wir jedoch niemandem aufzwingen dürfen.  

Der Weg ist klar: Von mehr gegenseitigem Kennenlernen, über mehr Wissen zu gegenseitiger Toleranz gelangen und geduldig weiter auf Versöhnung zielen. Und ein Beispiel der Verständigung leben.

Von der Zeit, in welcher DIE Tschechen und DIE Deutschen gegeneinander standen, ist die Geschichte über das waffenstarrende Leben in zwei getrennten Welten zu einer freundschaftlichen Nachbarschaft nach dem Jahr 1989 gelangt und bis heute zum selbstverständlichen Zusammenleben unter einem gemeinsamen europäischen Dach.  

Es ist sicher kein Zufall, dass das Einhalten moralischer Prinzipien des Zusammenlebens auch vorteilhaft ist. Darum besinnen wir uns darauf, dass die Möglichkeit den Wohlstand zu erhöhen ? an welchem viele leider noch keinen Anteil haben ? nur dort entstand, wo die Ideologie des Hasses ihre Herrschaft verloren hat. Das heutige Europa, auch das liberale und pragmatische, und die Europäer, welche glauben, dass sie an nichts glauben, ziehen Nutzen daraus, dass in den Fundamenten Europas Ideale, Werte und moralische Verantwortung verankert sind, welche das Maß des Augenblicks, der Wahlperiode und auch des menschlichen Lebens überschreiten.

 

Bemühen wir uns deshalb, dass unsere Gegenwart in die Geschichte als gute Vergangenheit eingeht.

*  Vortrag, gehalten anlässlich seiner Auszeichnung mit der Ehrennadel ?Goldenes

    Herz für Europa? am 13. September 2008 in Furth im Wald

 

 

PRESSEECHO

 

 

In den Lidové noviny schrieb Václav Drchal am 25.09.08 über die Auszeichnung von Josef Škrábek:

?Die Nachbarn waren begeistert - Mit den Augen des Zeitzeugen gesehen?

Nur einen Tag nach dem Münchner Abkommen klopften deutsche Ordner an die Haustür der Škrábeks. Das westböhmische Valeč/Waltsch war aus Tradition deutsch, und in der Gemeinde mit etwa tausend Einwohnern lebten außer den Škrábeks nur ein paar Tschechen. ?Abends saßen wir zu Hause im Dunkeln, als wir stampfende Schritte hörten. Die Absätze polterten vor dem Haus, dann wurde hart an die Haustür geklopft. Ich, als Zehnjähriger, versteckte mich hinter einem Schrank und hörte, wie man meine Mutter in ?amtsdeutsch? anschrie, dass sie den Fahnenschmuck zum Empfang der deutschen Armee vorbereiten müsse, so erinnert sich der heute achtzigjährige Josef Škrábek an die Ereignisse vom 30. September 1938. Dabei waren die Škrábeks erst vor wenigen Wochen nach Waltsch zurückgekehrt ? nach seiner, Josef Škrábeks, Geburt war die Familie nach Karlsbad umgezogen, wo der Vater, ein Briefträger, größere Karrierechancen hatte.

 

Sofort am nächsten Tag ging das Kind zusammen mit seiner Großmutter in den Wald, um das nötige Reisig zu holen. Seine Mutter hatte inzwischen die deutsche Fahne genäht, allerdings musste sie die Arbeit noch einmal machen, weil sie das Hakenkreuz verkehrt herum aufgenäht hatte. Am Ende waren alle Mühen umsonst. ?Abends klopften die Ordner erneut. Sie teilten mit, dass die Begrüßung nur rein deutschen Familien gestattet und dass daher der Fahnenschmuck umgehend zu entfernen sei. Meine Mutter sagte ?das ist zu machen? und riss in einem Ruck alles, samt Hitler-Bild, herunter. Einer der Ordner kritisierte gleich, dass ?die Art der Durchführung des Befehls eine Provokation? sei, aber ein anderer sagte ?lass sie doch zufrieden?. Dann hoben die drei ihren rechten Arm und verschwanden,? setzt Škrábek seine Erzählung fort.

 

Eine atemberaubende Autokolonne. Als die Wehrmacht einige Tage nach dem Münchner Abkommen nach Waltsch kam, war der zehnjährige Knabe bestürzt über ihre Kraft. ?Eine mächtige Kolonne von Militärfahrzeugen kam nach Waltsch, Hunderte von Autos und Motorrädern. Alle Nachbarn waren total begeistert, wir aber haben gezittert, was nun werden sollte. Neun kantige Junker-Maschinen überflogen die Szene, sie kamen mir in meinen Kinderaugen wie riesige Flugzeuge vor. Die motorisierte deutsche Armee beeindruckte mich tief, zumal ich einige Tage vorher gesehen hatte, wie unsere Soldaten mit Pferdewägelchen abgezogen waren,? erzählt Škrábek weiter und fügt hinzu: ?Irgendwann klopfte erneut irgendein Ordner an unsere Tür und teilte uns mit, dass bei uns drei Soldaten einquartiert würden. Wir haben sie in der Stube, unserem Wohnzimmer, schlafen lassen und haben selbst auf de, Dachboden übernachtet. Meine Mutter fragte die Soldaten, ob es sie nicht störe, dass ihr Mann in unserer, der tschechischen, Armee diene. Sie antworteten, dass sie aus Hamburg seien, und dass sie unser Streit überhaupt nicht interessiere.?

Der tschechische Lehrer aus der Waltscher einklassigen Schule war, ebenso wie Škrábeks Vater, gleich nach der Mobilmachung eingerückt, und die Schule hörte auf zu funktionieren. ?Etwa nach drei Wochen klopfte der deutsche Gendarm bei uns: Im Hause lebe ein schulpflichtiges Kind, das den Schulbesuch verweigere. Man eskortierte mich in die deutsche Schule, wo ich in der Klasse in der ersten Reihe sitzen musste. Ich erhielt ein Lehrbuch und sollte vorlesen. Ich war schrecklich nervös, und die anderen Kinder lachten über meine Leseversuche. Da ich nicht Hochdeutsch konnte, stotterte ich ganz schrecklich bei den Worten ?unser Führer Adolf Hitler?,? erzählt Skrábek. Die Politik drang damals auch bis in die Kindergespräche durch: ?Nachbars Hanni sagte zum Beispiel, dass die Tschechen den Krieg wollten, und darum müssten alle sterben. Auch ihr Onkel, ein Tscheche, müsse ebenfalls sterben, weil er den Krieg wolle.?

Kurz danach meldete sich der inzwischen demobilisierte Vater Škrábeks, der inzwischen bei der Post in Prag Arbeit und eine Wohnung gefunden hatte: ?Damals war es aber nicht mehr möglich, einfach spontan wegzufahren; für alles musste man um eine Genehmigung ersuchen. Nach einiger Zeit erhielten wir diese Genehmigung, und wir durften alles mitnehmen. Schließlich kam ein riesiger Möbelwagen, und die ganze Gemeinde wunderte sich über die Größe des LKW. Wir luden unsere Möbel ein und nahmen Abschied.

 

Škrábeks Großmutter aber blieb in Waltsch. Nach den Erinnerungen ihres Enkels hatte sie überhaupt kein Geld zur Verfügung. Die Familie bemühte sich zwar, zu ihr zu reisen, aber sie bekam die Genehmigung dazu erst nach fast zwei Jahren. ?Im Jahre 1939 durften wir überhaupt nicht fahren, aber ein Jahr später erreichte die Großmutter, dass ihr der Bauernführer bestätigte, dass sie ein kleines Feld habe, um das sie sich nicht mehr kümmern könnte. 1940, 1941 und 1942 konnten wir also in den Ferien mit der Mutter nach Waltsch fahren. 1943 bekamen wir keine Erlaubnis, und 1944 erhielt nur ich selbst die Bewilligung,? erklärt Škrábek. Von den etwa tausend Waltscher Einwohnern sind im Krieg 57 umgekommen. Beinahe alle anderen wurden nach Hitlers Niederlage abgeschoben; heute leben in der Gemeinde 407 Personen.

 

Und Josef Škrábek? Nach dem Krieg ging er nach Waltsch zurück, und im Jahr 1958 haben ihn die Kommunisten für sieben Jahre hinter Gitter geschickt. Nach 1989 schrieb er sein Buch ?Die gestrige Angst? über die deutsch-tschechischen Beziehungen, und vor einigen Tagen verlieh ihm der Freundeskreis deutsch-tschechischer Verständigung den Preis ?Goldenes Herz für Europa?.

Übersetzung: Josef Škrábek           Bearbeitung des deutschen Textes: Helmut Böttcher 

 

Ing. Marie Trojanová schrieb in den Mitteilungen des Hl. Jakob und Hl. Prokop, Nr. 8/2008:

 

Goldenes Herz für Europa

 

Anfang dieses Jahres erschien im Verlag ?Vyšehrad? bereits das dritte Buch von Josef Škrábek, es trägt den leicht provozierenden Titel ?Mit Worten gegen den Strich?. Das stärkste Interesse bei unserer und der ausländischen Öffentlichkeit fand sein Buch ?Die gestrige Angst?, das 2006 ebenfalls bei ?Vyšehrad? (bereits in der dritten Auflage) und im Frühjahr 2008 zum zweitenmal in deutscher Fassung erschien.

Nicht nur dieses Buch, sondern vor allem der Autor hat sich um den freundschaftlichen Dialog und den Beginn einer Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen verdient  gemacht. Unsere deutschen Nachbarn schätzen diesen Schriftsteller sehr, und in diesem Jahr wurde er nach Berlin zur Messe IFA (Internationale Messe für Rundfunk- und Fernsehtechnik) zu einer Diskussion im deutschen Fernsehsender ARD eingeladen, die zwei Dokumentarfilmen gewidmet war, die in Deutschland am 22. und 29. September gesendet wurden und sicher auch für das tschechische Publikum sehr interessant wären. Beide Filme sind der deutsch-tschechischen Problematik gewidmet.

Der erste Film ist dem deutsch-tschechischen Zusammenleben bis vor dem Münchner Abkommen, und der zweite reicht von ?München? bis zur Vertreibung. Der Inhalt beider Filme soll beweisen, dass die Vertreibung ihr Vorspiel bereits vor dem Krieg und vor allem im Protektorat hatte. Heutzutage distanziert sich die Mehrheit der Tschechen davon, was wir die Nachkriegsexzesse nennen.

Das nächste wichtige Ereignis spielte sich am Samstag, 13. September 2008, im bayerischen Furth im Wald ab, wo das Werk des Schriftstellers mit der Auszeichnung ?Goldenes Herz für Europa? gewürdigt wurde; diese Auszeichnung erhielten vorher zum Beispiel der ehemalige Bürgermeister von Ústí nad Labem und jetzige Landwirtschaftsminister Gandalovič und, kurz vor ihrem Tod, auch die Schriftstellerin Lenka Reinerová. Die Ehrennadel wird für das Werk und die gesamte Lebensleistung verliehen.

Auf einen Menschen wie Josef Škrábek können wir mit Recht stolz sein, und das Werk dieses Autors ist für jedermann wichtig.

Škrábek gilt uns als vorbildlicher Bürger unseres Landes, ein Christ und politisch denkender Mensch. Sein Lebensoptimismus und der Glaube an die Menschen in Europa beweisen seine Worte, die er anlässlich der Verleihung vortrug: ?Es ist bestimmt kein Zufall, dass das Einhalten der moralischen Grundsätze des Zusammenlebens auch Vorteile hat. Erinnern wir uns, dass die Möglichkeiten, den Wohlstand zu erhöhen, bis auf Ausnahmen nur dort entstanden sind, wo die Ideologien des Hasses ihre Macht verloren haben. Das heutige Europa, auch das liberale und pragmatische, auch die Europäer, die glauben, dass sie an nichts glauben, nehmen diese Vorteile, die sich aus den Grundwerten Europas, seiner Ideale, Werte und der moralischen Verantwortung ergeben, wahr, sie überschreiten das Maß sowohl des Augenblicks einer Wahlperiode als auch des menschlichen Lebens. Daher bemühen wir uns weiterhin darum, dass unsere Gegenwart als eine gute Vergangenheit in die Geschichte eintritt.?

Übertragung: B?la Böttcherová

 

 

 

Eberhard Kemnitz

 

GÜNTER SCHREIBER

FEIERTE SEINEN 80.GEBURTSTAG

 

Im erzgebirgischen Städtchen Oelsnitz, in einem der schlichten Bergarbeiterhäuser, ging es am 7. Oktober dieses Jahres unruhiger zu als gewöhnlich. Besucher gaben sich die Klinke in die Hand, mehr als fünfzigmal läutete das Telefon. Ursache: Unser Freund Günter Schreiber beging seinen 80. Geburtstag.

Der Bürgermeister gratulierte ihm, dem Wegbereiter der deutsch-tschechischen Verständigung in Oelsnitz, persönlich. (Immerhin pflegt die Stadt Partnerschaften mit den tschechischen Städten Mimoň und Chodov.) Ehemalige Kumpel aus dem Steinkohlen-schacht ließen es sich nicht nehmen, die Hand des Jubilars zu schütteln, einstige Kolleginnen und Kollegen anderer Arbeitsstellen erschienen geschlossen zur Gratulation. Schließlich versammelte sich die Verwandtschaft, darunter Besuch aus dem böhmischen Vejprty (Weipert), um das Oberhaupt der Großfamilie zu ehren und gebührend zu feiern.

Noch immer übersetzt Günter Schreiber regelmäßig tschechische Texte aus dem Mitteilungsblatt der Stadt Mimoň und sorgt so für Informationen aus der tschechischen Partnerstadt. Aus der Ferne verfolgt er mit Interesse das Geschehen in unserem Freundeskreis, gesundheitliche Probleme hindern ihn leider an einer aktiven Teilnahme. Manchem Leser sind seine Erinnerungen (s. INFORMATOR  Heft  3/00 bis 2/01) noch in guter Erinnerung.

An guten Wünschen für die Zukunft mangelte es an diesem 7. Oktober 2008 nicht.  Im Namen aller Mitglieder des Freundeskreises möchte ich nachträglich unserem Günter Schreiber ebenfalls herzlich gratulieren und beste Wünsche für eine möglichst stabile Gesundheit übermitteln. Mögen sie in Erfüllung gehen. Glück auf!

 

 

 

 

INFORMATIONEN

 

 

RUND 200 TEILNEHMER BEI DER

16. EQUIPE-WANDERUNG*

 

 

Ganz im Zeichen der Völkerverständigung stand die 16. Equipe-Wanderung, an der sich am Samstag, dem 13.9.2008, rund 200 Pilger aus Tschechien und Deutschland beteiligten. Leider wurde damit nicht die  Teilnehmerzahl  vergangener Jahre erreicht. Die Terminverlegung (normalerweise findet die Equipe-Wanderung immer am dritten Samstag im September statt) dürfte wohl ebenso eine Rolle gespielt haben, wie die Tatsache, dass viele Wanderer bei anderweitigen Ausflügen unterwegs waren.

Vor dem Friedhof in Klenčí hieß Organisator Jürgen Kögler im Namen des Freundes-kreises deutsch-tschechischer Verständigung  die Pilger  aus  Bayern und Böhmen willkommen. Besonders erfreut zeigte er sich, dass mit dem 90-jährigen Miloš Němec einer der Begründer der Equipe-Wanderung aus Prag angereist war.

Bürgermeister Karel Smutny bemerkte, dass scheinbar auch die ?höchsten Mächte" der Wanderung positiv gegenüberstehen, denn pünktlich zum Auftakt sei die Sonne gekommen. Er sprach die Hoffnung aus, dass sich die freundschaftlichen Beziehungen über die Grenzen hinweg weiterentwickeln. Kaplan Johannes Kiefmann bemerkte in einem kurzen Gebet, dass die  Wanderung  im  Zeichen  des Kreuzes beginne.

Bevor die Pilger dann aufbrachen, legten der Vorsitzende des Touristikclubs Domažlice, Petr Matejka, der Vorsitzende des Further Wald-Vereins, Walter Spieß und Bürgermeister Karel Smutný noch Blumen am Grabe von J.S. Baar nieder.

Über Chodov wurde als erstes Etappenziel der schöne Ort Pec erreicht. Dort hatte der Betreuer des Holzfällermuseums, Jan Riederer, eine Fotoausstellung vor der schönen Kapelle aufgebaut. Dieses architektonische Kleinod kann heuer sein 100-jähriges Bestehen feiern. In der Gaststätte in Pec nützten viele die Möglichkeit, den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen.

Nach weiteren drei Kilometern war der Oskar-Kögler-Rastplatz erreicht, wo durch viele freiwillige Helfer sowie die Familie Drozda für beste Verpflegung gesorgt war. Die Kapelle Chodovanka spielte beschwingt auf und so herrschte innerhalb kurzer Zeit beste Stimmung und der Auhofbauer ließ es sich nicht nehmen, so manches Lied gemeinsam mit den tschechischen Musikanten anzustimmen.

Über den Grenzübergang Hochstraße wurde schließlich die bayerische Seite erreicht. Viele Pilger besuchten den Gottesdienst in der Kreuzkirche, der von Ernst Kögler (Sohn eines Cousins von Jürgen Kögler), Stadtpfarrer Richard Meier und Pfarrer Sebastian Werner zelebriert wurde. Viele Pilger nützten auch die Gelegenheit, um den Gräbern von Oskar Kögler und Reinhold Macho einen Besuch abzustatten.

Anschließend trafen sich die Pilger im Kolpinghaus, wo Kolpinghauswirt Ernst Beitlich einen schmackhaften Eintopf servierte. Im Verlaufe des Abends stellte sich sehr schnell heraus, dass die deutsch-tschechische Freundschaft auf dieser Ebene bestens funktioniert.

Im Verlauf des Abends wurde Josef Škrábek mit dem Ehrenpreis ?Goldes Herz für Europa" bedacht (siehe Berichterstattung am Anfang dieses Heftes).

 

* gekürzter und geringfügig bearbeiteter Beitrag von Karl Reitmeier in der

  ?Chamer  Zeitung? vom 15.9.2008

 

 

 

Helmut Böttcher

                                  

HERBSTTREFFEN DES FREUNDESKREISES IM BÖHMERWALD

 

Immerhin 19 Mitglieder folgten am 4. und 5. Oktober 2008 den Spuren Karl Klostermanns im Böhmerwald. Die Busreise begann bei schönem Wetter in Domažlice und Klatovy, gab allen die Gelegenheit, sich im schönen Sušice umzusehen und erreichte ihren ersten Höhepunkt in Srní, wo uns der Chef der beiden Hotels ?Šumava? und ?Srní?, Bc Václav Sklenář, der nebenher auch Vorsitzender des Karl?Klostermann-Vereins Srní ist, beim Abendessen in Tschechisch und Deutsch ausführlich und spannend über Klostermann informierte. Die Liebe der tschechischen Bewohner des Böhmerwaldes zu Klostermann entspricht der Begeisterung der Deutschen für Adalbert Stifter, beide Schriftsteller stellten ihre Heimat in den Mittelpunkt ihrer Werke.

Die geistige Nahrung am Abend fand ihre Entsprechung am nächsten Morgen ? das Frühstücksbuffet des Hotels war von einer Qualität, die auch in Hotels auf der deutschen Seite des Böhmerwaldes kaum erreicht wird. Die gesamte Gruppe stieg voller Begeisterung und dazu noch bei strahlendem Sonnenschein wieder in den Bus, um nach einem kleinen Fußmarsch die Hauswaldkapelle zu besuchen (die der Kapelle zugeschriebenen Wunder blieben leider aus), danach war die Besichtigung des Šumava-Museums in Kašperské Hory an der Reihe. Der Historiker PhDr. Vladimír Horpeniak, der Leiter dieses Museums, das Außenstellen in Sušice und Železná Ruda unterhält, war der denkbar beste Führer; auch im Šumava-Museum stießen wir erneut auf Erinnerungsstücke an Karl Klostermann.

Mit einem vorzüglichen Mittagessen im hervorragend renovierten Hotel ?Kašperk? endete der kurze Ausflug in den Böhmerwald. Der Vorsitzende des Freundeskreises erhielt im Restaurant großen Beifall von allen Teilnehmern, als er sich bei den Organisatoren der Reise, bei Frau Knetlová und Herrn Váchal, für die perfekte Vorbereitung bedankte. Vor allem Frau Knetlová, die über gute Kontakte zu wichtigen Personen im Böhmerwald verfügt, muss hier noch einmal lobend erwähnt werden. Dass die Mitglieder des Freundeskreises in großer Harmonie zusammen reisten und sich aufs beste miteinander verstanden, machte ? wie immer - den Erfolg der Reise aus. Das Herbsttreffen wurde gefördert vom Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds; der Freundeskreis bedankt sich herzlich für diese Unterstützung.

 

 

 

IN EIGENER SACHE

 

 

Miloslav Váchal / Eberhard Kemnitz

 

ZUM BEITRAG ?DIE GAR NICHT KOMISCHE BARBAREI DER RATSHERREN VON POSTOLPRTY?  IN HEFT 2/08

 

Eine Stellungnahme der Redaktion

 

Unter der Rubrik ?Meinungen? haben wir in den letzten Jahren bewusst Ansichten von Mitgliedern, Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern zu solchen Fragen vorgestellt, die das deutsch-tschechische Verhältnis betreffen. Dabei war nach unserer Auffassung eine gewisse Meinungsvielfalt gewährleistet. Kritische Äußerungen oder konträre Auffassungen zu den veröffentlichten Ansichten erreichten uns erstmalig nach dem Erscheinen des Heftes 2/08. Sie bezogen sich auf den oben erwähnten, in der Rubrik ?Meinung? erschienenen Artikel des Autors Mykola Šatylov. Er stammt aus der Zeitung ?Lidové noviny?.

Die drei kritischen Beiträge im vollen Wortlaut zu veröffentlichen ist schon aus Platzgründen nicht möglich, um auch die beabsichtigte inhaltliche Vielfalt eines jeden Heftes nicht zu gefährden. Vor allem würde die vollständige Veröffentlichung auf einen Meinungsstreit hinauslaufen, den die vom Vorstand am 8.3.2003 beschlossenen und in der Mitgliederversammlung im April 2003 vorgestellten ?Richtlinien? im INFORMATOR ausdrücklich untersagen. Wir beschränken uns daher auf Ausschnitte:

Herr Böttcher wendet sich in seinem Beitrag gegen eine Gedenktafel, die ausschließlich den deutschen Opfern gewidmet ist. Er sieht in ihr eine Verfälschung der Geschichte und kritisiert scharf entsprechende sudetendeutsche Bestrebungen. Er schließt eine Mitwirkung des Freundeskreises an einem solchen Projekt aus. ?Niemand kann bestreiten, dass einer ganzen Reihe von Deutschen nach dem Krieg Schreckliches angetan wurde, niemand bleibt unberührt, wenn diese Taten ? neuerdings auch im tschechischen Fernsehen ? geschildert werden. Aber es bleibt unsere moralische Pflicht als Deutsche, daran zu erinnern, dass die Gründe für die Vertreibung ? und damit leider auch für die damit verbundenen Exzesse ? nicht bei den Tschechen liegen. Wer sich erinnert oder darüber liest, mit welchem Hass  gerade auch die Sudetendeutschen, vor allem die Anhänger der Henlein-Partei (und das war die überwiegende Mehrheit) in der Ersten Republik den Tschechen gegenüber aufgetreten sind, kann sich nicht wundern, wenn daraus wiederum Hass und tiefe Abneigung entstanden sind. Wir sollten froh sein, dass dieser Hass heute weitgehend verschwunden ist und sich die Abneigung nur noch bei einer kleinen Gruppe von Tschechen erhalten hat.? Er wendet sich auch gegen Belehrungen der Tschechen von sudetendeutscher Seite und schreibt: ?Unabhängig von den Vertriebenen und ihren Forderungen, unabhängig auch von unserer Sicht der Dinge werden die Tschechen selbst eines Tages dazu kommen, der Wahrheit über die auch für sie schmerzlichen Ereignisse bei der Vertreibung ins Auge zu sehen und ihren Teil der Aufarbeitung der Vergangenheit zu übernehmen; es gibt dafür eine ganze Reihe von Ansätzen.?  Herr Küchler verweist auf die Tatsache, dass Deutschland den Krieg verloren hat, ?den es ? auch mit Hilfe der Sudetendeutschen ? angezettelt hat?. Er hält die ablehnende Haltung der Stadtväter von Postoloprty für richtig und verweist auf persönliche negative Erfahrungen aus der Zeit der deutschen Okkupation in Ústí n.L. (Aussig) und Prag. Seine Zuschrift endet mit den Worten ?Die Toten brauchen keine Tafel mehr!?  Herr Josef Sedlák kritisiert energisch die Aufnahme des Beitrages von Mykola Šatylov in den INFORMATOR. In seinen Augen handelt es sich um ein Produkt, das ?auf Bestellung? angefertigt wurde und nicht ?dem guten Geist der Verständigung? entspricht.

Obwohl für die im Rundbrief publizierten Ansichten normalerweise der jeweilige Autor selbst zuständig ist, muss die Redaktion bei der Übernahme von Texten aus anderen Quellen eine besondere Verantwortung übernehmen. Dessen sind wir uns bewusst. Daher erlauben wir uns einige konkrete Bemerkungen zu dem kritisierten Beitrag in Heft 2/08 und zu den ausgelösten Reaktionen:

Es stimmt, dass der Artikel nicht auf die Ursachen des Abschubs, bzw. der Vertreibung der Sudetendeutschen eingeht. Das ist aber nicht sein Anliegen und das kann auch nicht in jedem Beitrag erwartet werden. (Darüber schreibt mit  Weisheit und Kenntnis u.a. unser Mitglied, Herr Josef Škrábek, in seinem Buch ?Die gestrige Angst?.)  Im erwähnten Beitrag geht es ausschließlich um die Erinnerung an 763 Opfer der Nachkriegsgewalt (die allerdings  nur Fortsetzung  der<span styl