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Informator 1/09

II. DEUTSCHER TEIL

 

 

INFORMATIONEN

 

Zdenka Hartlová, Alois Hartl

 

Jahreshauptversammlung

und Frühjahrstreffen 2009

des Freundeskreises

 

Unser jährliches Treffen im Frühling werden wir heuer am 25./26. April 2009 in Bamberg veranstalten.

Unter den deutschen Städten ist Bamberg sicher eine der schönsten. Immer wieder wird die Hauptstadt des ehemaligen Fürstbistums mit Prag verglichen und das nicht zu unrecht. Bamberg liegt wie Prag an zwei Seiten eines Flusses, wobei die kleinere von einer Burg, oder besser der fürstbischöflichen Residenz, überragt wird, mit einem mittelalterlichen Dom, der zwar weniger namhafte Gebeine als der Prager, dafür aber ein umso berühm-teres Reiterstandbild beherbergt. Bamberg ist eine alte Universitätsstadt, Wirkungsstätte vieler großer Künstler (in diesem Jahr erinnert man mit zahlreichen Veranstaltungen an E.T.A. Hoffmann) und nicht zuletzt eine große fränkische Bierstadt. Das Bamberger dunkle Bier, das schmeckt, als hätte man arg rußiges Rauchfleisch in ihm sauber gebürstet, ist zwar Geschmacksache, in jedem Fall aber eine unverwechselbare fränkische Spezialität.

Die Tage in Bamberg wollen wir vor allem für die Besichtigung der wirklich sehenswerten Stadt nutzen. Unser Quartier liegt mitten in der Altstadt. Von dort aus können wir alles bequem zu Fuß erreichen. Außerdem werden wir die jährliche Jahreshauptversammlung abhalten und neben dem offiziellen Programm hoffentlich noch genug Gelegenheit für unseren deutsch ? tschechischen Dialog und vor allem für viele persönliche Gespräche haben.

 

Programm:

Samstag, 25. April:

Treffpunkt am Bahnhof vor der großen Anzeigentafel bis 13:45 Uhr.

Ankunft der Züge aus Tschechien:

Aus Prag um 13:41 Uhr (Abfahrt Praha hl. n.  6:29, Strecke über Dresden, kein Schienenersatzverkehr!)

Aus Prag um 13:23 (Abfahrt Praha hl. n.  6:11, Strecke über Pilsen, Schienenersatzverkehr!)

Aus Pilsen um 13:23 (Abfahrt Pilsen 8:05)

Beziehen der Zimmer im Hotel Graupner. (2. Möglichkeit des Zusammentreffens)

Adresse:

Lange Straße 5

96047 Bamberg       Tel.: 0049 951/98040-0

Offizielle Eröffnung und kleine Erfrischung.

Rundgang durch die Altstadt mit Führung.

17:30 Uhr: Jahreshauptversammlung

19 Uhr: Abendessen

Abendprogramm (noch in Vorbereitung)

 

Sonntag, 26. April:

Nach dem Frühstück Fortsetzung der Stadtbesichtigung.

Anschließend Frühschoppen, Mittagessen und Ausklang.

 

Abfahrt der Züge nach Tschechien:

Nach Prag um 14:16 Uhr (über Dresden, ohne Schienenersatzverkehr, Ankunft Praha-Holešovice 21:18)

Nach Prag um 14:38 Uhr (über Pilsen, mit Schienenersatzverkehr, Ankunft Praha hl. n. 21:50)

Nach Pilsen um 14:38 Uhr (Ankunft Pilsen 19:51)

 

 

Der Teilnehmerbeitrag beläuft sich auf 25 Euro bzw. 500 Kronen. Anmeldungen erbitten wir bis spätestens 11. April mit beiliegendem Blatt oder unter:

Tel.: 09231/5078142 (aus Deutschland)

        0049/9231/5078142 (aus Tschechien)

E ? Mail: aloishartl@centrum.cz

 

 

Helmut Böttcher

 

STÄDTEPARTNERSCHAFT BAYREUTH - PRAHA 6

 

Einige Mitglieder des Freundeskreises kennen sie: Kristina Jurosz, die engagierte Vorsitzende der DTG (Deutsch-Tschechische Gesellschaft) in Bayreuth. Die Ziele dieser Gesellschaft sind den unseren nicht unähnlich. Die DTG versteht sich, wie wir auch, als Gegenentwurf zu den Sudetendeutschen Landsmannschaften, die nach wie vor das Klima zwischen Tschechen und Deutschen vergiften.

Frau Jurosz hat es nach langem tatkräftigen Engagement geschafft, eine Städtepartnerschaft zwischen Bayreuth und dem Stadtbezirk Prag 6 herzustellen. Am 21. Oktober trafen sich die Repräsentanten beider Orte, um die Partnerschaft feierlich in Kraft zu setzen. Für Prag 6 sprach der Bürgermeister, Magister Tomáš Chalupa, für Bayreuth der Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl. Beide stellten den Begriff der Versöhnung in den Vordergrund, beide dankten vor allem Frau Jurosz, ohne die es nicht zu der Verbindung beider Städte gekommen wäre. Ein Vertreter des tschechischen Botschafters in Berlin, der Münchner Generalkonsul Dr. Borůvka und viele weitere Personen aus der Politik und aus gesellschaftlich relevanten Gruppen nahmen an der Feierstunde teil. Natürlich waren auch die nordbayerischen Medien vertreten.

?Wir begreifen heute die verbrecherische Gewaltpolitik des nationalsozialistischen Deutschlands gegenüber dem tschechischen Volk als die Ursache allen späteren Unglücks durch Flucht und Vertreibung,? so Oberbürgermeister Hohl. Mit solch klaren Worten, die in Bayern nicht selbstverständlich sind, ist die Grundlage für eine sinnvolle Städtefreundschaft geschaffen. Wir wollen aber auch nicht verschweigen, dass auch die Bayreuther Vertreter der SdL nach langem Zögern dieser Verbindung zustimmten.

Partnerschaften zwischen deutschen und tschechischen Städten sind heute nichts Ungewöhnliches mehr. Der Unterschied liegt darin, ob und wie sie mit Leben gefüllt werden. Wir wünschen der Städtepartnerschaft Bayreuth-Praha 6, dass sie über die Anfangsfeierlichkeiten hinaus zu einer lebendigen, kulturell interessanten Verbindung wird; vor allem wird Frau Jurosz, davon sind wir überzeugt, dafür sorgen, dass alle guten Vorsätze nun auch in die Tat umgesetzt werden.

 

 

GRATULATION VON HÖCHSTER STELLE

 

Am 22. Juni 2008 erhielt Pfarrer Johannes Johne die Ehrennadel des Freundeskreises ?Goldenes Herz für Europa? (s. INFORMATOR Heft 3/08). Der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich, hat davon Kenntnis erhalten und ein  persönliches Schreiben an Pfarrer Johne gerichtet. Darin beglückwünscht er ihn zu dieser Auszeichnung und würdigt sein Engagement für die Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen:

e.k.

 

 

DER VERTRAG VON LISSABON

UND DIE BENEŠ-DEKRETE

 

In bestimmten Vertriebenenkreisen zeigte man sich enttäuscht, in der deutschen Bundesregierung zufrieden, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Klage der ?Preußischen Treuhand? gegen Polen abgelehnt hatte. Mit der Ratifizierung und Umsetzung des Vertrages von Lissabon werden - auch von einigen Sudetendeutschen - neue Chancen für die Durchsetzung alter Forderungen gesehen. Tschechische Europaskeptiker und Gegner der Ratifizierung dieses Vertragswerkes befürchten daher, dass das Thema ?Beneš-Dekrete? erneut ?aufgewärmt? wird und neue juristische Auseinandersetzungen um ehemaliges sudetendeutsches Eigentum drohen.

EU-Kommissar Günther Verheugen hat vor einigen Monaten dazu eindeutig Stellung bezogen. Der Tageszeitung ?Právo? sagte er, dass das Thema ?Beneš-Dekrete? seit dem tschechischen EU-Beitritt niemals auf den Tisch gekommen sei und dass es auch in Zukunft dazu niemals kommen werde.

Der ?Prager Zeitung? sagte er (PZ vom 18.12.2008): ?Wir haben vor dem Beitritt Tschechiens geprüft, ob die sogenannten Beneš-Dekrete ein Beitrittshindernis für Tschechien darstellen. Die entscheidende Frage in diesem Zusammenhang lautete, ob diese Dekrete heute noch neue Rechtswirkungen entfalten. Das haben wir nach  gründlicher Prüfung verneint. Ob Nizza- oder Lissabon-Vertrag - beide Verträge ändern an der Beantwortung dieser grundlegenden Frage nichts. Jeder sollte ebenfalls wissen: Eigentums- und Restitutionsansprüche wie auch die Entscheidung über die Staats-angehörigkeit liegen in der alleinigen Kompetenz der Mitgliedstaaten. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kommt zu keinem anderen Schluss.

Und deshalb wiederhole ich: niemand muss Angst vor dem Lissabon-Vertrag haben. Das Kapitel Beneš-Dekrete ist für die Europäische Union geschlossen. Niemand sollte deshalb auf die wenigen Stimmen hören, die immer noch nicht gelernt haben, dass Gestern Gestern war. Dieses Gestern ist vorbei.?

e.k.            

 

 

MÜNCHEN UND SEINE TSCHECHEN

 

?Künstler, Schneider, Diplomaten ? Die vergessenen Tschechen in München? - unter diesem Thema veranstaltete die Organisation der Tschechen in München, SKV Sokol, im vergangenen Jahr in München eine Ausstellung. Frau Jitka Scholz, Geschäftsführerein dieses Vereins, hat uns die folgenden Informationen übermittelt und ihre Veröffentlichung gestattet:

München um die Jahrhundertwende und die Tschechen ? mit dieser Verbindung kann wohl bislang kaum jemand etwas anfangen. Es waren jedoch nicht Wenige, die schon im vorletzten Jahrhundert aus dem ?Böhmischen? nach München kamen und hier ihre Spuren hinterließen. Wie z.B. Kunststudenten, die, der Anziehungskraft der Münchner Kunstakademie folgend, hier ein, zwei Studienjahre absolvierten. Die verbreitete Behauptung, dass sie hier hauptsächlich das bayerische Bier studiert hätten, entspricht der Wahrheit nur teilweise. Viele von ihnen schufen hier nämlich Werke, die zu den Schwerpunkten ihres schöpferischen Lebens gehörten. Ihr Leben spielte sich in der Maxvorstadt ab, um die Neue Akademie, wo die meisten von ihnen zur Untermiete wohnten. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie meist durch Zeichnungen für die ?Fliegenden Blätter?, die ?Moderne Kunst? oder den ?Simplicissimus?. Einige Jahre lang organisierten sie sich in einem eigenen Künstlerverein. Sie nannten ihn ?Škréta? - nach dem Prager Barock-Maler Karel Škréta. Zu den aktivsten Vereinsmitgliedern zählte der Meister des Jugendstils, Alfons Mucha, der zwei Jahre lang den Vorsitz des ?Škréta?-Vereins führte, bis er 1887 München zu weiteren Studien nach Paris verließ. Es waren aber auch einfache Leute, Arbeiter und Handwerker, die wegen der wachsenden Industrialisierung in der Habsburger Monarchie in ihren Heimatorten keine Beschäftigung fanden und sich in der Hoffnung auf bessere Lebens­bedingungen auf den Weg ins benachbarte Bayern machten. Nach München kamen, von den bayerischen Arbeitsvermittlern angeworben, hauptsächlich tschechische Schneider, um hier dann für Bekleidungsfirmen tätig zu sein, gefolgt von Schustern, Schreinern und Schlossern. Wie in vielen größeren deutschen Städten entstand auch in München schnell eine kleine tschechische Gemeinde. Ihre Mitglieder, die meisten nur mit mageren Deutsch­kenntnissen ausgestattet, suchten Rückhalt bei ihren bereits ansässigen Landsleuten.

Das 19. Jahrhundert gilt als Blütezeit des Vereinswesens und so kamen zu den 4.000 Münchner Vereinen noch einige tschechische hinzu. Ziel dieser Vereine war es, durch gemeinsame Unternehmungen die tschechische Sprache und Kultur sowie soziale Kontakte untereinander zu pflegen. Die ersten Versuche, in München einen tsche­chischen Verein registrieren zu lassen, scheiterten am Misstrauen des hiesigen Polizeiapparates, das erst 1875 mit der Zulassung des Vereins ?Slovan? (Slawe) - wenn auch nicht restlos - überwunden war. Nach einigen Jahren reines Gesellschaftslebens ließ sich der ?Slovan? von dem in Europa verbreiteten Slogan ?in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist? zu Leibesübungen motivieren und aus dem Verein ?Slovan? wurde 1892 der Turnverein ?Slovan?. Seine Mitglieder bekannten sich begeistert zur slawischen Massenbewegung ?Sokol? (Falke), die nach dem Vorbild von Turnvater Jahn 1862 in Prag gegründet worden war. Für den Münchner ?Sokol?-Verein - mit seinem slawischen Patriotismus, der zur damaligen Zeit durchaus salonfähig war - war es allerdings nicht immer leicht zu bestehen. Im Übrigen gehörte der ?Slovan?, dem nach der Gründung des Tschecho­slowakischen Generalkonsulats in München 1919 sogar zwei tschechische Konsuln beitraten, bis zu seiner Auflösung zu Beginn des 2. Weltkrieges zu den bedeutendsten tschechischen Vereinen in Deutschland.

Neben dem ?Slovan? entstanden in München nach und nach weitere tschechische Vereine, von denen sich manche bald auflösten oder verboten wurden. Manche aber konnten sich jahrzehntelang behaupten und überstanden politische und wirtschaftliche Krisen, ständigen Mitgliederwechsel, interne Konflikte, die oftmals schwieriger zu lösen waren als die externen, sowie den Ersten Weltkrieg. Der Arbeiterbildungsverein ?Pokrok? (Fortschritt) ist ein Beispiel. Seine Mitglieder schafften es nach dem Zweiten Weltkrieg sogar, Reste ihres Marionettentheaters aus Schutt und Asche zu bergen, um sie anschließend der Stadt zu schenken.

Die eingangs erwähnte Ausstellung des SKV Sokol München zeigte keine Einzel­schicksale, vielmehr das Leben einer in Vergessenheit geratenen Generation von Zuwanderern in München, die mit ihren Vereinen und Aktivitäten die multikulturelle Atmosphäre der Stadt um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert mitgestaltet haben.

e.k.

 

Jiří Prokop

 

PAVEL MACHÁČEK ZUM GEDENKEN

 

PhDr. Pavel Macháček wurde am 15. April 1921 geboren. Er absolvierte das Lehramt und widmete den prägenden Teil seines Lebens der pädagogischen Arbeit. In der Zeit der nazistischen Okkupation wurde er von der Gestapo verhaftet, weil er einen Mitschüler aus der Grundschule, der Jude war und vor der Polizei fliehen musste, versteckt hatte. Nach kurzer Haft im Gestapogefängnis in Prag wurde er nach Terezín überführt und von da aus ins Konzentrationslager Flossenbürg, wo er bis zum Frühjahr 1945, als die Gefangenen nach Mauthausen überstellt werden sollten, blieb. Der Fußmarsch nach Mauthausen wurde zum Glück von der amerikanischen Armee unterbrochen, und Pavel Macháček konnte sich zusammen mit seinen tschechischen Kameraden nach Hause absetzen. Am 6. Mai erreichte er Plzeň, und am nächsten Tag fuhr er mit dem Fahrrad nach Prag.

Nach dem Krieg arbeitete er zunächst in der Redaktion der ?Mladá fronta?, anschließend beim Tschechoslowakischen Rundfunk; ab 1950 lehrte er an der Militärakademie Philosophie und Geschichte. Wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem politischen Geschehen musste er mehrere Male seine Wirkungsstätte wechseln. Nach 1968 musste er die Armee verlassen, anschließend ging er den verschiedensten Beschäftigungen nach.

1993 gründete er zusammen mit Miloslav Klen den Verein der 1938 aus den Grenzgebieten Vertriebenen, und von der ersten Sitzung an blieb er bis zu seinem Tod am 5. November 2008 Sekretär der Vereinigung. Seit 1995 war er Mitglied unseres Freundeskreises deutsch-tschechischer Verständigung.. Leider fehlte dies oft an dieser Verständigung zwischen ihm und dem Kreis ? durch Fehler von beiden Seiten. Vielleicht kann diese Würdigung Pavel Macháčeks unsere Auffassung bestärken, dass es nicht nur darum geht, die eigene Meinung durchzusetzen, sondern auch darum, den anderen zuzuhören.

 

Übertragung: Helmut Böttcher

 

 

PRACHATITZER BEGEGNUNG OKTOBER 2008

 

Unter dem Motto ?Junge Generation in einem vereinten Europa? wurde im Oktober 2008 in Prachatice über die Verbesserung der grenzüberschreitenden regionalen Kooperation  beraten. Wir danken Leopold Graf Deym, der uns über diese Veranstaltung informieren ließ.

Auf der Zusammenkunft wurden kokrete Vorschläge erarbeitet, wie bei deutschen Jugendlichen das Interesse für das Nachbarland gesteigert werden kann. Gezielte Programme sollen die gemeinsame Chancen von Jugendlichen steigern.

Nähere Informationen durch:

Leopold Graf Deym, Elmauer Str. 21, 81377 München,  Telefon/Fax: 089/7141651

E-Mail-Kontakt über: jugendsozialarbeit@caritas-bayern.de

e.k.

 

 

AUS DEN MEDIEN

 

 

Die Prager ?Landeszeitung? schrieb (13.1.2009):

Edmund Stoiber ist in den 14 Jahren seiner Amtszeit als Ministerpräsident nie zu einem offiziellen Besuch nach Prag gekommen. Sein Nachfolger Günther Beckstein hatte schnell eine Annäherung gesucht, war aber zu kurz im Amt, um echte Akzente im bayerisch- tschechischen Verhältnis setzen zu können. Nun ist es an Horst Seehofer. Der jetzige bayerische Ministerpräsident kündigte an, gemeinsam mit Vertretern der Sudetendeutschen einen Schritt auf das Nachbarland zugehen zu wollen. Tschechien wird das in der Form kaum akzeptieren. Die Parteien SPD und Grüne im bayerischen Landtag sehen die Chancen Seehofers auf eine Annäherung deshalb eher als schlecht.

Der Grünen-Abgeordnete Eike Hallitzky befürchtet sogar, dass nach ?dem sehr unbe-fangenen Auftreten" Becksteins die Beziehungen zu Tschechien durch Seehofer wieder belastet werden könnten. Das Verhältnis leidet unter dem Streit über die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die tschechische Regierung lehnte Gespräche  mit  Vertriebenenorganisationen bisher stets ab, für Prag sei nur die Politik Verhandlungspartner.

Die selbstverständliche Einbeziehung der Sudetendeutschen, deren Schirmherr der bayerische Ministerpräsident traditionell ist, in den Kontakt zu Tschechien sei ?ein Problem", klagt Hallitzky. Aus Sicht der bayerischen Politik wäre es ?viel fruchtbarer, wenn man die Fragen, die die Sudetendeutschen noch haben, bei den Kontakten mit Tschechien ziemlich weit beiseite  legt". Auch  die SPD-Fraktionsvizin Christa Naaß hält Seehöfers Strategie für nicht sehr glücklich. Es gelte, ?erstmal mit dem Partner auf der anderen Seite ins Gespräch" zu kommen, statt gleich Bedingungen zu stellen.

Bernd Posselt von der CSU, der Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe, zeigt sich dagegen ?sehr dankbar" über Seehofers Pläne. Denn seiner Meinung nach herrsche damit in dieser  Frage  ?politische Kontinuität".  

 

Ebenfalls in der ?Landeszeitung? war zu lesen (2.1.2009):

In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die deutsch-tschechische Verstän-digung wurde dem tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg am 15. Dezember das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Die feier-liche Übergabe durch den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier erfolgte im Auswärtigen Amt in Berlin. ...

Der deutsche Außenminister Steinmeier, der seinen tschechischen Kollegen mehrmals als Freund bezeichnete,  hob  vor  der Übergabe die Verdienste Schwarzenbergs bei der Überwindung der Teilung Europas hervor. Der tschechische Außenminister tat damit, so merkte Steinmeier an, ?unendlich viel für Freiheit und Demokratie in Europa".

Das Großkreuz ist eine besonders hohe Stufe des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Es handelt sich dabei um die höchste Auszeichnung, die dem Außenminister eines Landes überhaupt verliehen werden kann. Das Großkreuz wurde in den letzten Jahren  keiner  anderen tschechischen Persönlichkeit verliehen. ...  

 

Die ?Stendaler Volksstimme? meldete unter der Überschrift   ?Vertriebene scheitern vor Gericht? (10.10.2008):

Eine Grundrechtsbeschwerde deutscher Vertriebener gegen Polen ist vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gescheitert. Die 23 deutschen Beschwer-deführer, vertreten durch die Preußische Treuhand GmbH, hatten wegen ihrer Vertreibung von ihrem Grundbesitz während des Zweiten Weltkriegs eine Verletzung des Grundrechts auf Eigentum geltend gemacht. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) begrüßte die Entscheidung. Mit Abweisung der Klage gegen Polen sei die Haltung der Bundesregierung bestätigt worden, dass es im deutsch-polnischen Verhältnis keine offenen Vermögensfragen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg gebe, sagte Steinmeier.

Das gleiche Blatt schrieb zu dem umstrittenen ?Zentrum gegen Vertreibungen? (18.2.2009):

Widerstand gegen Steinbach

Die mögliche Berufung von Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach in den Stiftungsrat der geplanten Vertriebenen-Gedenkstätte sorgt weiter für Verstimmung in Polen. Der polnische Regierungschef Donald Tusk bekräftigte seine Ablehnung einer Berufung von Steinbach. Der SPD-Polittiker Wolfgang Thierse kritisierte das Festhalten an Steinbach. Es sei allen bekannt, dass Steinbach in Polen wie ein rotes Tuch wirke.

Frau Steinbach bezeichnete, wie der Bayerische Rundfunk am 19.2.2009 meldete, die Haltung der polnischen Regierung als ?Erpressung? und behauptete, man habe ?zu akzeptieren, wen wir benennen?. Gleichzeitig protestierte sie gegen die Haltung von SPD-Mitgliedern in der Bundesregierung. Der Sprecher der deutschen Bundesregierung bemerkte dazu, dass man keine Eile mit der Besetzung der Beirats der Stiftung habe.

 

Die Prager Zeitung veröffentlichte ein Interview mit der Vorsitzenden der Deutsch-Tschechischen Parlamentariergruppe, Petra Ernstberger (SPD)

Auf die Frage nach dem wichtigsten Ereignis in ihrer Arbeit sagte Frau Ernstberger: ?Das war der Beitritt Tschechiens in die Europäische Union. Auf dieses Ereignis haben wir hart hingearbeitet. Mein Hauptanliegen war und ist, die Menschen zueinander zu bringen. Denn nur, wenn man sich kennt, kann man gegenüber dem anderen Verständnis zeigen.?

Zur zukünftigen Finanzierung deutsch-tschechischer Projekte durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds bemerkte sie: ?Solange ich im Parlament bin, werde ich alles dafür tun, dass diese Gelder zur Verfügung stehen. ... Ich halte den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds für ein enorm wichtiges Instrument, das wir auf keinen Fall verlieren dürfen.?

Im Interview mit der ?Stendaler Volksstimme? sagte der Botschafter der Tschechischen Republik, Dr. Rudolf Jindrák auf die Frage nach dem deutsch-tschechischen Verhältnis im europäischen Kontext (18.12.2008):

?Ich will das einmal aus der Sicht meiner Generation - ich bin Jahrgang 1964 - betrachten: Wir lebten bis vor 20 Jahren gewissermaßen irgendwo versteckt. Nun sind wir endlich mitten drin in Europa, wir sind uns mit unseren Nachbarn- auch mit Deutschland - einig. Daher war die Schengen-Öffnung nicht nur ein technischer Vorgang, sondern hat symbolischen Wert!

All das macht mich auch ein wenig stolz. Denn die Tschechen haben sich immer als Westeuropäer begriffen. Beispielsweise gehörte die heutige deutsche Lausitz drei Jahr-hunderte lang zu Böhmen! Es ist übrigens schade, dass wir die  langjährigen  Kontakte zwischen den Menschen in der damaligen Tschechoslowakei und der damaligen DDR nach der Wende oft schleifen lassen haben.

In jedem Fall ist Deutschland heute einer unserer wichtigsten Partner, wirtschaftlich wie politisch. Auch bei der Vorbereitung auf die EU-Ratspräsidentschaft  haben  wir sehr eng mit Berlin kooperiert.?

e.k.

 

 

 

MEINUNG

 

 

MONSTRÖSER VERGLEICH

 

Die ?Prager Zeitung? veröffentlicht regelmäßig Leserbriefe zu verschiedenen Themen.  Am 16. Oktober 2008 erschien ein Leserbrief von Max Schwalke, Sudetendeutscher, Jahrgang 1938. Der darin enthaltene Satz ?Was Hitler den Juden angetan hat, hat schließlich Beneš an uns Sudetendeutschen verbrochen? stieß bei Mitgliedern des Freundeskreises und anderen Lesern der Zeitung auf Protest, auch  bei dem Journalisten Jürgen Martin Möller, von 1979 bis 1982 Leiter des ARD-Studios in Prag. Die totale Abwegigkeit dieses Vergleichs hat ihn zu einer wütenden polemischen Entgegnung veranlasst (?Prager Zeitung? vom 30. Oktober 2008) nach dem Motto ?Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil?:

 

Da ist er wieder, dieser demagogische und gleichzeitig larmoyante Taschenspielertrick, mit dem der völkische Kern der Sudetendeutschen sich aus der Täter- in die Opferrolle schwindelt und seit Jahrzehnten das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen vergiftet. Außerdem werden Millionen jüdischer Naziopfer und ihre Angehörigen durch einen solchen unsäglichen Vergleich verhöhnt.

Demagogischer Trick

Es gibt einen rabenschwarzen jüdischen Witz über diese deutsche Technik, sich als Opfer aufzuspielen: An eine jüdische Besuchergruppe im KZ Auschwitz macht sich ein Mann im Trachtenjanker heran und jammert, auch er habe seinen Vater im KZ verloren. Auf die mitfühlende Frage nach den näheren Umständen schluchzt er, sein Vater sei betrunken vom Wachturm gefallen.

In der Eingangshalle des Sudetendeutschen Hauses in München sind die Gründerväter der Landsmannschaft in erhabenen Metallbuchstaben auf einer großen Ehrentafel verewigt. Nähme man die Nazi-Verstrickten unter ihnen heraus, blieben auf der Tafel nicht mehr viele Namen übrig. Ich greife nur zwei Verstrickte heraus, die - anders als der ebenfalls dort verewigte SS-Führer Siegfried Zoglmann - für sich immer in Anspruch ge- nommen haben, keine Nazis gewesen zu sein. Doch vom obersten Säulenheiligen, Rudolf Lodgman von Auen, ist inzwischen die NSDAP-Mitgliedschaft gesichert aufgetaucht. Und der Historiker Ferdinand Seibt hatte einen Aufsatz Lodgmans in einer SS-nahen Zeitschrift ausgegraben, wo er - im Jahre 1937! - für einen innertschechischen Bevölkerungstransfer (ethnische Säuberung!) plädiert, um endlich ein rein deutsches Siedlungsgebiet zu bekommen...

Nazi-Verstrickte

Zweites Beispiel: Dr. Walter Becher, nach Lodgman jahrzehntelang Sprecher der Landsmannschaft. Auch er wollte kein Nazi gewesen sein. Er war aber Schriftleiter im sudetendeutschen Zentralorgan ?Die Zeit". Dieses Hetzblatt imitierte den ?Völkischen Beobachter" bis in die Details, hatte von Josef Goebbels die Anschub-Finanzierung bekommen und wurde mit laufenden Zahlungen aus Berlin am Leben gehalten. In seinem autobiografischen Buch ?Die Verstrickung" hielt Walter Becher es für eine Rechtfertigung zu schreiben: ?Ich war gehalten, Artikel zu vertreten, und auch selbst zu verfassen, die ich heute zutiefst bedauere." Fragt sich nur, was den Schreibtischtäter gerade an diesen Schreibtisch getrieben - und was ihn dort ?gehalten" hat.

Historische Ignoranz

Die Frage, was Herrn Schwalke zu seinem monströsen Vergleich getrieben hat, findet also ihre Antwort im völkisch-alldeutschen Kern einer Landsmannschaft, der es geschafft hat, sich von einer fünften Kolonne in Böhmen zu einem sogenannten vierten Stamm in Bayern aufzublasen. Ein Stamm mit nachhaltig vergiftetem Stammhirn und historischer Ignoranz als nachwachsendem Rohstoff.

 

e.k.

 

REZENSIONEN

 

?Die Welt im Frühling verlassen?

 

Viele tschechische Patrioten ließen noch im Frühjahr 1945 in Südmähren ihr Leben. Sie hatten die Partisanen unterstützt oder selbst im Untergrund gekämpft, gegen die Übermacht von Gestapo, SS, Sicherheitspolizei, tschechischer Protektorats-Gendarmerie und Sonderkommandos. Von der Gestapo ergriffen, wurden sie gefoltert und hingerichtet oder sie starben noch im April 1945 in der Gaskammer des KZ Mauthausen.

Herma Kennel (?Bergers Dorf? 2003) hat den Titel ihres Buches dem Abschiedsbrief eines der Opfer entnommen. Die Autorin hat umfangreiche Akten und Berichte von Überlebenden studiert. Mit einem der Helden des Buches, Jaroslav Kořalník, hat sie lange Gespräche geführt und mit ihm gemeinsam die Handlungsorte besucht. So entstand ein spannender Roman von hoher Authentizität.

Die Personen des Buches sind Angehörige verschiedener tschechischer und sowjetischer Partisanengruppen, patriotische Bürger verschiedener Schichten, aber auch Konfidenten, Spitzel der Gestapo, und ihre Auftraggeber. Im Mittelpunkt steht ein junges Paar, der aus dem Totaleinsatz in Wien geflohene Partisan Jaroslav, der den Krieg überlebt, und die junge, gebildete Božena Škrabálková, die als Angestellte des Arbeitsamtes für falsche Papiere und wichtige Informationen sorgt, aber im Gas stirbt und die Welt verlassen muss, im April 1945, im Frühling ...

Der Leser erfährt von menschlichen Stärken wie Mut, Opferbereitschaft, Patriotismus, von Schwächen wie Angst und Verrat, aber auch von Brutalität auf beiden Seiten. Die Autorin verzichtet auf Heroisierung, Schönfärberei oder Schwarz-Weiß-Malerei.

Am Schluss des Buches befindet sich eine Übersicht über die (bekannten) Lebensdaten aller erwähnten Personen, auch der SS- und Gestapoleute. Von den letzteren waren ? das fällt auf - nicht wenige sudetendeutscher Herkunft.

Herma Kennel:       Die Welt im Frühlig verlassen

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