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Das alte Böhmen - Konservatorium Europas

Zahlreiche Musiker aus Böhmen und Mähren waren vom 17. bis in das 19. Jahrhundert hinein als reisende Virtuosen oder als angestellte Musiker in vielen Orchestern Mittel- und Westeuropas tätig, zum Teil in leitenden Positionen und als Komponisten. Die meisten von ihnen waren Tschechen, aber auch Deutschböhmen waren unter ihnen. Der englische Musikschriftsteller Charles Burney bezeichnete nach einer Reise durch Mitteleuropa Böhmen als "Konservatorium Europas". Wir wollen in loser Folge auf einige dieser Musiker aufmerksam machen.

 

Eberhard Kemnitz

JAN DUSÍK - EIN BÖHME IN PREUSSEN

 

Jan Ladislav Dusík (Johann Ladislaus Dussek) wurde am 12. Februar 1760 in Časlav/Tschaslau geboren. Er erhielt seine schulische und erste musikalische Ausbildung in Jíhlava/Iglau, Časlav, Kutná Hora/Kuttenberg und in Prag. Schon bald erntete er als Pianist großen Beifall bei Konzerten in Amsterdam, Den Haag, Sankt Petersburg, Paris und in verschiedenen Städten Deutschlands. In Litauen wirkte er als Kapellmeister. In Hamburg traf er mit Carl Philipp Emanuel Bach zusammen, dessen Schüler er zeitweilig war.

1789 übersiedelte er nach London, wo er mit Joseph Haydn, I.J. Pleyel und Muzio Clementi bekannt wurde. Dort betätigte er sich nicht nur als Klaviervirtuose und Komponist, sondern auch als Musikverleger, als Teilhaber seines Schwiegervaters Domenico Corri. Der Konkurs der Firma und familiäre Probleme veranlassten ihn, London für immer zu  verlassen.

In Hamburg traf er 1800 den Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, der selbst komponierte und von Beethoven als "tüchtiger Klavierspieler" eingeschätzt wurde. Dieser Kontakt blieb bis zum frühen Tod des Prinzen bestehen und veranlasste Dusík, einige Jahre in Preußen zu bleiben. Er begleitete den Prinzen u.a. in die damals größte preußische Festung Magdeburg, wo dieser als General Dienst tat. Auch gemeinsame Ausflüge nach Schricke, auf das nahe Landgut des Prinzen, sind überliefert. Beide, Louis Ferdinand und Dusík, teilten nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch ihre Vorliebe für alkoholische Getränke. So waren beide nicht nur Partner beim gemeinsamen Musizieren, sondern auch bei heftigen Gelagen. Der Prinz galt als außerordentlich trinkfest, ihm soll auch nach mehreren Flaschen Sekt nichts anzumerken gewesen sein.

Louis Ferdinand fiel am 10. Oktober 1806 als Kommandant der preußischen Vorhut bei der Abwehr des französischen Vormarsches bei Saalfeld, wenige Tage vor der preußischen Niederlage von Jena und Auerstedt.

Dusík schuf zahlreiche kammermusikalische Kompositionen (Sonaten für Klavier, Sonaten für Klavier und Violine, für Klavier und Harfe sowie für Klavier, Violine und Violoncello), aber auch Konzerte für Klavier und Orchester sowie für Harfe und Orchester. Viele seiner in Zeiten des Ruhms geschriebenen Klavierkompositionen gelten als oberflächlich und auf leere Virtuosität gerichtet. Er soll allerdings immer dann, wenn es ihm schlecht erging, Werke höchster Qualität geschaffen haben. Anlässlich des Todes von Prinz Louis Ferdinand von Preußen widmete er ihm eine seiner besten frühromantischen Klavierkompositionen. Seine besten Sonaten wurden zu Recht mit denen Beethovens verglichen. Dusík war ein gefeierter Klaviervirtuose und erzielte ähnliche Erfolge wie Jahrzehnte später Franz Liszt. Die heute übliche Stellung des Pianos quer zum Publikum soll von ihm eingeführt worden sein. In seinen letzten Lebensjahren ließen seine Erfolge nach. - Seine durch ungesunde Lebensweise hervorgerufene Fettleibigkeit ließ ihn kaum noch die Tasten seines Instruments erreichen.