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Neues Museum

Eberhard Kemnitz

 

NEUES MUSEUM IN MÜNCHEN

 

Bayerns Hauptstadt München verfügt über zahlreiche international bekannte Sammlungen und Museen. Wie die bayerische Sozialministerin auf dem letzten Sudetendeutschen Tag in Augsburg informierte, soll noch eine derartige Institution hinzukommen ? das Sudetendeutsche Museum. Gleichzeitig kündigte sie einen Zuschuss der bayerischen Staatsregierung von 300 000 ? an. Woher die restlichen Gelder kommen sollen, wurde nicht mitgeteilt, bezeichnete doch ihr Vorsitzender, Bernd Posselt, kürzlich die Landsmannschaft in einem Interview als ?arm?. Man kann davon ausgehen, dass im Laufe der Zeit weitere Staatsgelder in das Projekt fließen werden.

Mit dem Bau dieser Einrichtung soll offenbar eine ?Lücke? geschlossen werden, denn mehrere andere Landsmannschaften besitzen bereits größere Museen, die inhaltlich auf die Heimatregionen ihrer Mitglieder zugeschnitten sind, z.B. das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg und das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen mehrere öffentlich-rechtliche Vertriebenenmuseen dazu (das Pommersche Museum in Greifswald, das Schlesische Museum in Görlitz und das Donauschwäbische Museum in Ulm). Daneben existieren zahlreiche kleine Erinnerungsstätten, wie ?Heimatstuben? usw..

Laut Bundesvertriebenengesetz (§96) ist jede Bundesregierung verpflichtet, das Kulturgut der ?Vertreibungsgebiete? zu erhalten. Wie die Wochenzeitung ?Die Zeit? am 25.9.2003 berichtete, wurde in der Vergangenheit dieser Paragraf recht großzügig ausgelegt und riesige Summen für die Errichtung und die Unterhaltung derartiger Institutionen bereitgestellt. Allein 1992 waren es 50 Millionen DM. Als Gegenleistung bildeten die Vertriebenen - so schrieb die ?Zeit? weiter - ?ein verlässliches Wählerreservoir? für die regierende CDU. Die Regierung Schröder kürzte um die Jahrtausendwende diese Mittel rigoros.

Das Besucherinteresse stand - von wenigen Ausnahmen abgesehen - in keinem Verhältnis zu diesem Aufwand. Obwohl beispielsweise die Bundesregierung für die Errichtung und Einrichtung des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen               12 Millionen DM gezahlt hatte, kamen in den ersten 12 Monaten lediglich 5167 Besucher. Ähnlich sah es in den meisten derartigen Institutionen aus.

Eine Überprüfung durch Beauftragte der Bundesregierung ergab neben dem geringen Besucherinteresse weitere interessante Tatsachen: Einige Museen enthielten lückenhafte Darstellungen der NS-Zeit, in anderen konnten die deutschen Verbrechen nur ?mit Tricks? dargestellt werden. Mitarbeiter berichteten, wie sie bei der inhaltlichen Gestaltung von den Landsmannschaften unter Druck gesetzt wurden. Bei den öffentlich-rechtlichen Einrichtungen wirkte sich - wie die ?Zeit? berichtet - die Distanz zu den Landsmannschaften positiv aus.

Ob das neue Sudetendeutsche Museum nach seiner Fertigstellung ein Publikumsmagnet sein wird, wird sich zeigen. Auch die Frage, ob es neben dem vehement geforderten ?Zentrum gegen Vertreibung? in Berlin noch notwendig ist, muss gestellt werden. Gegenwärtig verweigert die Berliner Koalitionsregierung unter sozialdemokratischem Einfluss diesem Projekt die Unterstützung, nicht zuletzt unter dem Druck aus dem Ausland. Das kann sich aber (spätestens nach Neuwahlen) ändern.